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Eine Polizei demokratisiert sich selbst

Diskussionskommando Berlin

Der Kalte Krieg und der Krieg in Vietnam

Die Situation in West-Berlin war bestimmt von der Mauer und dem Kalten Krieg. Die Bindung an die West-Alliierten war auch emotional sehr stark und freundschaftlich. Der Vietnamkrieg wurde von den meisten als "richtig" empfunden und akzeptiert. Die Kom- munisten mußten schließlich an einer weiteren Ausdehnung ihres Machtbereiches ge- hindert werden, so die weit verbreitete Ansicht. Die russische Blockade, die beispiellose Luftbrücke zur Versorgung West-Berlins und der Bau der Mauer 1961 erklären diese Haltung der lebensälteren Bevölkerung. Die jungen Studenten der Außer-Parlamentarischen Opposition <APO> lebten aber im “Politischen Jetzt",  sie wollten die Welt Heute verändern. Sie entdeckten ihre Solidarität mit den unterdrückten Völkern in Vietnam, Kambodscha, Laos und Süd-Amerika. Chue Guevara und Ho Chi Minh waren ihre Helden. Die APO hatte Anhänger unter Künstlern und Intelektuellen, aber auch Schüler und Lehrlinge waren von der neuen Idee des Klassenkampfes begeistert. Spontane Sitzblockaden <sit ins> und Demos gegen die Hochschulen, Vietnamkrieg und ihren erklärten Erzfeind Springer, gehörten zum öffentlichen Leben West-Berlins. Leider kam es immer häufiger zu gewalttätigen Ausschreitungen bei solchen Aktionen. Eingeworfene Schaufensterscheiben, Brandsätze und geplante Angriffe auf die Poli- zeikräfte gehörten bald zum "normalen Ablauf" der Demonstrationen. Eine große Anzahl Teilnehmer kam schon mit Helmen und mit langen Holzlatten oder Stahlkugeln bewaffnet zu den Protestaktionen. Holzlatten waren häufig mit langen Nägeln als Waffe bewehrt. Viele Demos waren daher eher harte Straßenschlachten und offener Landfriedensbruch, als politische Meinungsäußerungen. Die Innere Sicherheit war schwer gestört und weitgehend nicht mehr gegeben. Die härtesten gewaltsamen Auseinander- setzungen mit der Polizei waren wohl am Tegeler Weg, anläßlich des Prozesses gegen Rechtsanwalt Horst Mahler und vor dem Amerika Haus gegen den Krieg in Vietnam. Ein alle verbindendes Programm hatte die APO nicht, die erhoffte Solidarisierung mit den Arbeitern blieb aus. Eine fehlende gemeinsame Ideologie sorgte für viele Splittergruppen. Als der gesellschaftliche Mißerfolg immer deutlicher wurde, versank die APO in der Bedeutungslosikkeit, man verlegte sich auf den "Weg durch die Institutionen", um aus etablierten Positionen heraus legal gesellschaftliche Veränderungen durchzusetzen. Ein prominentes Beispiel: Joseph Fischer, vom Sponti zum Außenminister der Bundesrepublik Deutschland! 

68er Revolte